Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Berufung zum Pfarrer. Das katholische Gotteshaus in der Ringstraße von Wittstock (Foto) wird ab dem 1. August ihr neuer Wirkungskreis sein. Waren Sie schon dort und wie sieht Ihre Pfarrei aus?
Da ich mich natürlich sehr freue, meine erste Pfarrstelle übernehmen zu können, habe ich mich nach Bekanntwerden sofort auf den Weg gemacht, meine neue Stelle näher kennenzulernen. Die katholische Gemeinde Hl. Kreuz in Wittstock liegt in der Prignitz, im äußersten Nordwesten des Landes Brandenburg. Auch hier ist durch Fusion ist eine flächenmäßig große Gemeinde mit den Kirchen St. Anna in Pritzwalk und Maria Hilf in Meyenburg entstanden. Etwas mehr als tausend Katholiken leben auf dem Gebiet der Pfarrei.
Und was werden Sie als erstes verändern?
Unter erfahrenen Pfarrern gilt es als ausgemacht, daß man im ersten Jahr in einer neuen Pfarrei zunächst einmal wohlwollend auf das schaut, was vor Ort üblich und bewährt ist. So möchte auch ich es halten. Ich freue mich zunächst, die Menschen kennenzulernen. Mich interessiert, wie sie ihr Gemeindeleben gestaltet haben uns was ihnen wichtig ist. Dabei werde ich natürlich meine eigenen Erfahrungen nicht ausblenden. Ich hoffe auf Menschen zu treffen, die mit mir zusammen in die Zukunft schauen und versuchen das Nötige und das Mögliche zu tun.
Sie sind seit drei Jahren Kaplan in Herz Jesu. Die Gemeinde hat Sie in ihr Herz geschlossen. Mit welchen Erwartungen sind Sie damals gekommen - und
welche haben sich erfüllt?
Nachdem ich in den ersten vier Jahren nach meiner Priesterweihe in Brandenburg an der Havel eingesetzt war, freute ich mich die Herausforderungen einer traditionsreichen Großstadtpfarrei erleben zu können. Am auffälligsten waren für mich zunächst die großen Zahlen bei den Taufen und in der Sakramentenvorbereitung. Ich habe schnell gesehen, dass hier das große Potential dieser Gemeinde liegt. Pfarrer Mertz hat meine Arbeit mit großem Vertrauen und mit Loyalität begleitet. Ich bin heute sehr dankbar, so viele Kinder, Jugendliche und Familien ein Stück ihres Glaubensweges begleitet haben zu können.
Die Arbeit mit Kindern hat Ihnen besondere Freude gemacht, stimmt dieser Eindruck?
Im Umgang mit Kindern fühle ich mich unter meinesgleichen. Wenn Jesus vorschlägt, sich wie ein Kind zu verhalten, um zu Gott zu gelangen, dann meint er damit, Vertrauen zu haben, sich seiner Schwächen nicht zu schämen, um Hilfe bitten zu können. Ich spüre bei den Kindern eine starke Resonanz, wenn man ihnen auf dieser Ebene begegnet. Dazu kommt: ich bin selten so viel Weisheit, Gottunmittelbarkeit und Vernunft begegnet wie im Umgang mit Kindern.
Welche Erfahrung war so wichtig, dass Sie diese bei Ihrer seelsorgerischen Arbeit in Ihrer neuen Pfarrei nicht missen wollen?
In Herz Jesu hat mir besonders gefallen, daß die Gemeinde großen Wert auf feierliche und würdige Gottesdienste legt. Die Pfarrei verfügt über einen hervorragenden Kirchenmusiker, der es versteht, sowohl mit Kindern als auch mit Erwachsenen eindrucksvolle Feiern zu gestalten. Ich hoffe, daß ich unter jetzt bescheideneren Voraussetzungen etwas davon mitnehmen kann.
Welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger?
Ich kenne Fernando schon vom Studium und freue mich für ihn, daß er Kaplan in Herz Jesu wird. Wir haben uns getroffen und ich habe ihm auch von den Schwierigkeiten berichtet, die sich mit einer Fusion zweier Gemeinden ergeben. Er ist ein sehr wacher Geistlicher, der sehr schnell erkennen wird, was seine vornehmliche Aufgabe ist. Zudem verfügt er über die zweifelsfrei beneidenswerte Gelassenheit eines Spaniers, um sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
Nur noch wenige junge Männer lassen sich als Priester mit Gott ein. Sie hatten unter dem 28.12. letzten Jahres deshalb auf dieser Web-Seite einen Video-Klipp eingestellt, in dem junge Geistliche ihre Gründe nennen, Priester werden zu wollen. Was war für Sie wichtig, um diesen Schritt zu gehen?
In meinem Leben kam irgendwann der Moment, an dem ich nicht mehr anders konnte, als dem sanften Druck Gottes nachzugeben. In meiner Jugend hätte mich niemand für einen zukünftigen Priester gehalten (außer vielleicht zwei, drei befreundete Priester). Die Erkenntnis, daß Gott mich trotz meiner Eskapaden für den Priesterdienst eingeplant hatte, war für mich entwaffnend und ermutigend zugleich. Der Gedanke, Priester zu werden begleitete mich (zu meinem Unbehagen) seit meiner Kindheit. Besonders eindrucksvolle Priestergestalten hielten den Wunsch (mit Unterbrechungen) lebendig. Schließlich war die Evidenz des Rufes so klar, daß jedes weitere Ausweichen Dummheit bedeutet hätte. Heute fühle ich mich als Priester in meinem Element und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht darüber staune, daß ich tatsächlich Priester bin.
Welche Bedeutung hatte Ihr Elterhaus und Ihre Erziehung für diese Entscheidung?
Da das Christsein in der DDR einen ständig in eine Entscheidungsituation stellte, war mir früh klar, daß es keinen Mittelweg geben konnte. Entweder richtig Katholik oder gar nicht. Besonders meine Großmutter lebte mir diese Entschiedenheit vor. Das hat mich beeindruckt.
Ist es mehr mutig oder ist es eher ein Opfer, katholischer Priester zu sein? Was muss man(n) mitbringen, um diese Aufgabe erfüllen zu können?
Der Reiz, sein ganzes Leben (möglichst vorbehaltlos) Gott zur Verfügung zu stellen, liegt in der Größe des Auftrags. Als Priester nimmt man nur teil an dem großen und einzigartigen Werk, das Jesus Christus selbst in dieser Welt tut. Deshalb muß man nicht viel mehr mitbringen als die Bereitschaft, alles zu verlassen und sich in seinen Dienst zu stellen. Das erfordert etwas Mut und hat hin und wieder auch etwas mit Opfer zu tun. Aber stellen Sie sich vor: es geht um nichts Geringeres als die Rettung der Welt!
Das Zusammenwachsen der alten Pfarreien Herz Jesu und St. Otto ist mühselig. Die Mitglieder definieren ihre Gemeinde verständlicherweise mit ihrem jeweiligen Gotteshaus und nicht mit den Gebietsgrenzen. Ist es deshalb überhaupt wünschenswert, die Fusion der Gemeinden über das administrative hinaus weiter zu betreiben und zu vollziehen?
Die Fusionen sind zunächst eine rein finanzpolitisch motivierte Unternehmung. Auf der anderen Seite stellen sie tatsächlich eine Anpassung der kirchlichen Strukturen an die Gegebenheiten dar. Meiner Erachtens sollte den gewachsenen Traditionen der Teilgemeinden Rechnung getragen werden. Im ersten Eifer des Gefechtes wollte man soviel Gemeinsamkeiten wie möglich. Das hat sich nicht bewährt. Im großstädtischen Kontext kann man eine bewußte Wahl des Gottesdienststandortes unabhängig vom Wohnort seit langem bemerken. Davor sollte man keine Angst haben. Ganz im Gegenteil sollten die einzelnen Orte den Mut haben, ihren eigenen Standort innerhalb der Kirche zu profilieren.
Zum Schluss: Wir hoffen, dass Sie sich über Besuch aus Berlin in Wittstock freuen werden?
Am 27. September um 14 Uhr wird meine Einführung als Pfarrer in der Kirche St. Anna in Pritzwalk, Reepergang 10 stattfinden. Ich freue mich, viele Zehlendorfer bei dieser Gelegenheit wiederzusehen. Bis dahin habe ich auch alle Kisten ausgepackt.
Besten Dank für das Gespräch!
Dreikönigstreffen
Vor 2 Stunden

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